Covid-Station wird wieder geöffnet

Lauterbacher Krankenhaus rüstet sich für steigende Fallzahlen / Neun Patienten werden aktuell betreut.

Die Lauterbacher Covid-Station wird wieder in Betrieb genommen. Zunächst mit zwölf Zimmern. Foto: Kempf

Die dritte Coronawelle rollt und macht auch vor dem Vogelsbergkreis nicht halt. „Die Situation um Ostern wird mindestens so sein wie an Weihnachten. Ich rechne insbesondere für die Zeit nach Ostern mit sehr, sehr hohen Zahlen“, fürchtet Tobias Plücker, der Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie, der auch Hygienebeauftragter und Leiter des Corona-Krisenstabs des Lauterbacher Krankenhauses ist. Mitte Dezember behandelte das Lauterbacher Krankenhaus in Hochzeiten bis zu 20 Corona-Patienten auf der Covid-Station, die von zwölf auf 24 Zimmer erweitert worden war. Zudem gab es immer wieder auch schwere Verläufe bei Patienten, die auf der Intensivstation über längere Zeiträume zum Teil beatmet und gepflegt werden mussten.

Von dieser Entwicklung schien man im Krankenhaus bis vor wenigen Tagen noch weit entfernt. Aber inzwischen steigen die Patientenzahlen im Eichhof-Krankenhaus kontinuierlich an, sodass die vorübergehend geschlossene Covid-Station in dieser Woche wieder reaktiviert werde, wie Plücker ankündigt. Zunächst werde, wie bei der zweiten Welle im vergangenen Herbst, eine halbe Station mit zwölf Zimmern in Betrieb genommen, die sich bei Bedarf auf 24 Zimmer erweitern lässt. Aktuell lägen neun Coronainfizierte isoliert auf der Normalstation, ein Corona-Verdachtsfall werde auf der Intensivstation beatmet. Die Patienten seien im Alter zwischen 58 und 93 Jahren.

Zurzeit müsse das Krankenhaus laut Vorgaben von den elf Intensivbetten eines für Corona-Patienten freihalten, ab Mittwoch müssten es dann schon drei Betten sein. Mit einer vollen Belegung rechnet der Chefarzt bereits zum kommenden Wochenende. Sei die Situation bis vor Kurzem noch relativ entspannt gewesen, schalte man jetzt mehr und mehr wieder in den Krisenmodus. Denn gerade die auch in der Region immer häufiger auftretende britische Variante des Virus sei bekanntlich wesentlich ansteckender und verlaufe tödlicher als die bisherige Form. Sei bei dem ursprünglichen Coronavirus beim Vorkommen eines Falls innerhalb einer Familie rund ein Drittel der übrigen Familienmitglieder erkrankt, seien es jetzt mindestens zwei Drittel. Und: „Bis zu fünf Prozent der Verläufe enden tödlich, auch schon für jüngere Menschen um die 50“, sagt Plücker. Für die Ärzte und Pflegekräfte, die ohnehin durch das zurückliegende anstrengende Jahr „müde und psychisch erschöpft“ seien, gehe die Corona-Endlosschleife – trotz der kurzen Entspannung – eigentlich nahtlos weiter.

Angesichts der steigenden Coronazahlen werde die Zahl der planbaren Operationen, die ohnehin niedriger sei als sonst, weiter zurückgehen. „Die Leute haben Angst“, weiß der Mediziner. Beibehalten werde im Krankenhaus das generelle Besuchsverbot auf den Stationen, das nur in Ausnahmefällen in Absprache mit den Ärzten aufgehoben werde.

Nach wie vor sehr kritisch bewertet Tobias Plücker aus ärztlicher Sicht den gerade wieder zunehmenden Urlaubsverkehr. Für ihn gelte nach wie vor, private Kontakte so weit wie möglich einzuschränken und alles Unnötige zu vermeiden.