Reif für die Insel: Wenn Ausgebranntsein Menschen an ihre Grenzen bringt

Vortrag von Oberarzt Dr. Friedrich Jungblut am Krankenhaus Eichhof weckt großes Interesse.

Voll besetzt war das Atrium im Krankenhaus Eichhof beim Vortrag von Dr. Friedrich Jungblut zum Thema „Burnout".

Weit mehr als 100 Zuhörer hatten sich im Atrium des Krankenhauses Eichhof eingefunden, um am ersten Vortrag des Jahres 2017 der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Gesundheit" teilzunehmen. Dr. Friedrich Jungblut, Oberarzt Psychiatrie und Psychotherapie, hatte sich dem Thema „Burnout - Modediagnose oder ernstzunehmende Krankheit?" gewidmet, um einem Phänomen der heutigen Leistungsgesellschaft auf den Grund zu gehen.

Nicht erst seit Top-Athleten wie der deutsche Ex-Skispringer Sven Hannawald oder aktuell der Österreicher Gregor Schlierenzauer sich zum Burnout bekannt haben ist die Diagnose gesellschaftsfähig. Immer mehr Menschen leiden unter dem zunehmenden Druck in der heutigen Wertegesellschaft.

Aus Sicht der psychiatrischen Perspektive beleuchtete der Experte die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Gesundheit und ging intensiv auf die Frage ein, was „Burnout" überhaupt bedeutet und wie es entsteht. Dr. Jungblut zeigte Ursachen ebenso auf wie Auswirkungen auf den körperlichen und mentalen Zustand Betroffener. Am Beispiel des Arbeitszeitreports - eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, bei der bundesweit 20.000 Beschäftigte befragt wurden - ging er den Auslösern für Stress auf den Grund und gab Einblicke in die Zusammenhänge zwischen den Erwartungen von Arbeitgebern, Familien und Freunden und den sich daraus ergebenden Erschöpfungszuständen.

Dr. Jungblut erläuterte anhand von Risikofaktoren, wie dem gesellschaftlichen Wandel einer deutlich veränderten Berufswelt und steigendem Konkurrenzdruck, wie die Arbeitsunfähigkeit psychisch bedingter Erkrankungen sich vervielfacht haben und schwindende Kräfte immer mehr Menschen vorzeitig in den Ruhestand zwingen.

Er ging auf Faktoren, wie emotionale Erschöpfung, Zynismus und Distanzierung sowie verminderte Arbeitsleistung ein, die als sogenannte Burnout-Dimensionen das Bild der Diagnose prägen, und gab einen Überblick über die biologischen, psychologischen und sozialen Risikokonstellationen. Anhand des „Maslach Burnout Inventory" - einem Fragebogen, der einen Überblick auf den persönlichen Risikozustand gibt, verdeutlichte Dr. Jungblut, wie jeder Einzelne sich selbst überprüfen kann.

„Durch Veränderungen der Lebensweise und einer Arbeitsplatzmodifikation kann dieser Risikozustand bewältigt werden", machte der Oberarzt seinen Zuhörern aber auch Mut. Er erläuterte Möglichkeiten und Maßnahmen der Prävention gegen die Erkrankung und welche Hilfe und Unterstützung Betroffene bekommen können.

Fragen aus dem Publikum beantwortete der Experte im anschließenden Dialog. So musste er verneinen, dass Burnout als Berufskrankheit anerkannt wird, gab Hinweise darauf, wo Interessierte den Maslach-Fragebogen erhalten, wie Arbeitgeber sich informieren können und wo die Abgrenzung zwischen Burnout und Depression zu sehen ist.

Der Vortrag von Dr. Jungblut fand große Zustimmung bei den Anwesenden, die ihre Eindrücke zur Veranstaltung schriftlich niederlegen konnten. Die Teilnehmer an derUmfrage bescheinigten dem Oberarzt eine hohe Expertise und würden ihn im Bedarfsfall selbst konsultieren oder an Freunde, Familie und Bekannte weiterempfehlen.