Qualifizierte Anlaufstelle für Menschen in Not

Breit aufgestelltes Beratungs- und Betreuungsangebot am Gemeindepsychiatrischen Zentrum Alsfeld der Vogelsberger Lebensräume.

Mit großem Engagement setzen sich die Mitarbeiter der Vogelsberger Lebensräume am Standort Alsfeld für psychisch erkrankte Menschen ein. Im Bild ein Teil des Teams aus Tagesstätte, Betreutem Wohnen und stationärem Wohnbereich mit (von links) Klaus Schmidtkunz, Frank Bönning, Petra Scholian, Christina Hill, Michael Greinke und Manfred Treder.

Das Bistro „Café Kunterbunt“ ist beliebte Anlaufstation nicht nur für die Kunden der Einrichtung, sondern auch für die Nachbarschaft aus dem Industriegebiet.

Leckere Speisen werden in der hauseigenen Küche aus frischen Zutaten und regionalen Produkten unter Beteiligung der Tagesgäste hergestellt. Die Qualität des Mittagessens eilt ihrem Ruf voraus und wird auch von Anliegern gerne genutzt.

Im Garten wird gewerkelt. Die Besucher der Tagesstätte helfen aktiv im Garten mit und pflanzen Kräuter und Gemüse im selbstgebauten Hochbeet an.

Die drei Tafeln aus dem Projekt Senioren-Graffiti verschönern das Gebäude der Tagesstätte und tragen zur Entspannung im hauseigenen Garten mit Sitzgelegenheit bei.

Die Vogelsberger Lebensräume, eine Einrichtung der Eichhof-Stiftung Lauterbach, gelten als kompetenter Ansprechpartner für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Neben zahlreichen Beratungsstandorten gibt es feste Institutionen in Lauterbach und Alsfeld. Das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ) Alsfeld bietet mit Tagesstätte, Beratungsstelle, ambulanter Betreuung und stationärem Aufenthalt im Wohnheim gut 80 Menschen die Möglichkeit, ihre sozialen Teilhabemöglichkeiten wiederzufinden, zu stärken und auszuweiten.

„Die Bandbreite der Erkrankungen ist so vielfältig, wie die Menschen selbst. Generell lässt sich aber sagen, dass die meisten Menschen in unserer Obhut ein hohes Maß an Selbstständigkeit haben“, erklärt Klaus Schmidtkunz, der Leiter des GPZs Alsfeld. Gemeinsam mit seinem Team aus 24 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit sowie geringfügiger Beschäftigung kümmert sich der erfahrene Diplom-Sozialarbeiter um Betroffene, deren Leben aufgrund von Psychosen, Depression, Zwangsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen aus den Fugen geraten ist.

Neben 40 ambulant betreuten Klienten und den sechs Plätzen für Menschen, die nicht mehr alleine zurechtkommen, im Wohnheim des GPZs Alsfeld, das nahe des Zentrums angesiedelt ist, steht vor allem die Tagesstätte in der Theodor-Heuss-Straße 3 in Alsfeld als zentraler Treffpunkt für Hilfesuchende zur Verfügung. Mit einem durchstrukturierten Tagesablauf, der morgens mit der Zusammenkunft von Mitarbeitern und den Tagesgästen beginnt, verhelfen die erfahrenen Sozialarbeiter und Pädagogen den betroffenen Menschen zu einem Grundgerüst, in dem jeder nach seinen persönlichen Interessen und Neigungen eigene Ressourcen einbringen kann. Arbeitstherapeutische Angebote, Ergotherapie oder kreative Tätigkeiten, wie Basteln und Malen oder Handwerken wechseln sich dabei ab. Wer gerne kocht, kann in der hauseigenen Küche bei der Zubereitung der Mahlzeiten helfen, oder sich im großzügig angelegten Garten beim Pflanzen und Jäten oder der Pflege des Grüns einbringen.

„Jeder Klient hat eine sogenannte koordinierende Bezugsperson als persönlichen Ansprechpartner. Damit stellen wir sicher, dass Beständigkeit, die als wichtiges Instrument in der therapeutischen Arbeit gilt, für jeden Einzelnen gegeben ist“, erklärt Schmidtkunz.

Als Besonderheit am Standort Alsfeld gilt das hauseigene Bistro, in dem nicht nur Mitarbeiter und Tagesgäste ihr Mittagessen einnehmen, sondern auch Stammkunden aus dem naheliegenden Gewerbegebiet regelmäßig zu Gast sind. „Wir produzieren das Essen jeden Tag frisch, arbeiten nicht gewinnorientiert und sehen das Aufeinandertreffen von Gästen und Klienten als gute Gelegenheit, sozialraumorientierte Arbeit als Möglichkeit zur Teilhabe zu nutzen“, beschreibt Christina Hill das Erfolgsmodell mit Alleinstellungsmerkmal in der Region. Die 39-jährige Dipl.-Sozialpädagogin arbeitet seit vier Jahren in der Tagesstätte in Alsfeld. „Wir haben insgesamt eine Kapazität von etwa 35 Plätzen, im Durchschnitt sind jeden Tag zwischen 16 und 18 Personen bei uns im Haus. Manche kommen täglich, andere nur ab und zu. Das ist auch abhängig davon, welche Art der Erkrankung zugrunde liegt und wie jeder Einzelne auf das Miteinander in der Gruppe reagiert“, weiß Hill aus Erfahrung.

Zwischen 18 und 65 Jahre sind die meisten Kunden der Tagesstätte. Für Jugendliche und Kinder ist die Jugendhilfe zuständig, für Ältere greift die Seniorenhilfe. Dennoch gibt es auch viele Nutzer über 65 Jahre. „Wir erfahren dabei viel Unterstützung vom Vogelsbergkreis. Während bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen unter 65 Jahren der Kostenträger der Landeswohlfahrtsverband ist, hat die langjährige Kooperation zwischen dem Vogelsbergkreis und den Vogelsberger Lebensräumen dazu geführt, dass wir ein Angebot für Senioren, deren Pflegebedürftigkeit sich weitestgehend auf die Psyche bezieht, vorhalten können“, erläutert der Einrichtungsleiter.

Eine Erklärung für die Zunahme dieser Personengruppe hat der 58-Jährige parat: „Insbesondere ältere Menschen bleiben auf dem Land zurück, der Wegzug der jüngeren Familienmitglieder oder der Tod des Lebenspartners ist dramatisch. Wenn dann noch körperliche Gebrechen oder mangels Auto die Mobilität eingeschränkt ist, kommen psychische Erkrankung fast zwangsläufig zum Ausbruch.“

Das Angebot in Alsfeld umfasst jedoch nicht nur die Begleitung am Standort. Ausflüge, Tagesfahrten, mehrtägige Freizeiten - all das wird gemeinsam mit den Klienten geplant. Ein besonderes Angebot für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene bietet das therapeutische Klettern. „Wir organisieren für alle Einrichtungen zum Beispiel der Jugendhilfe im Vogelsbergkreis Kletterausflüge in Alsfeld, Lauterbach und auch schon mal an der Steinwand in der Rhön“, sagt Diplom-Sozialarbeiter Frank Bönning, der eigens für dieses Angebot eine zusätzliche Schulung gemacht hat. Der schnelle Erfolg in der Gruppe sei dabei deutlich erkennbar. Das Gemeinschaftsgefühl, die Kommunikation und vor allem das Selbstbewusstsein und Selbstkontrolle würden gefördert. Diese Erfolgserlebnisse seien ein wichtiger Schritt in der therapeutischen Arbeit, weiß der 57-jährige Fachmann aus langjähriger Erfahrung.

Frank Bönning unterstützt auch Eigeninitiativen. So bereitete sich eine ehemalige Stadtführerin, die Klientin der Tagesstätte ist, auf einen Ausflug nach Gelnhausen vor und fungierte gleichzeitig als Tourguide für die Ausflügler.

„Das gewohnte Umfeld zu verlassen ist für viele Betroffene eine echte Herausforderung. Die Gruppe, in der man sich bewegt, und die damit verbundene Dynamik gibt Sicherheit, sich eben dieser Herausforderung zu stellen und im Nachgang ein echtes Erfolgserlebnis zu haben“, beschreibt Bönning die Auswirkungen.

„Wir wollen die Menschen, die zu uns kommen, dazu bewegen, ihre eigenen Fähigkeiten und Ressourcen wieder aufleben zu lassen, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können. Wir bieten den sozialen Rahmen dafür und unterstützen bei der Umsetzung“, fasst Christina Hill die Ziele der Einrichtung in Alsfeld zusammen.

„Wir weisen niemanden ab, der Hilfe benötigt. Wenn die diagnostischen Voraussetzungen aus ärztlicher Sicht gegeben sind, finden wir immer eine Möglichkeit, Erkrankte in unser Konzept aus Beratung, Tagesstätte, ambulanter Betreuung oder stationärem Aufenthalt einzubinden“, ergänzt der Leiter Klaus Schmidtkunz und fordert Hilfesuchende auf, sich mit dem Standort Alsfeld der Vogelsberger Lebensräume in Verbindung zu setzen.

Gemeindepsychiatrisches Zentrum Alsfeld

Theodor-Heuss-Straße 3
36304 Alsfeld

Telefon: 06631 91183-0
E-Mail: kschmidtkunz(at)vb-l.de