Online lernen – zu Hause helfen

„Uni“ im Vogelsberg: Hilke Luck studiert Humanmedizin im sechsten Semester / „Pandemie aus einer anderen Perspektive“.

Hilke Luck ist in der Notaufnahme des Eichhof-Krankenhauses eingesetzt und freut sich über „das fantastische Team, in dem wir alle Gutes tun können“. Foto: Luck

Vieles hat sich in den vergangenen Monaten durch Corona verändert. Nicht nur im persönlichen Umgang miteinander, sondern auch rein organisatorisch. Unter anderem für zahlreiche Studenten, denn den Alltag an der Universität gibt es derzeit für viele nicht mehr: Online-Studium ist angesagt. Eine, die weiß, wie sich das anfühlt, ist Hilke Luck. Die 26-jährige Angersbacherin studiert Humanmedizin im sechsten Semester. Nur ist sie dafür nicht an ihrer Hochschule in Rostock, sondern zu Hause. Und sie freut sich darüber: „Viele meine Kommilitonen haben in der Stadt Aushilfsjobs angenommen. Ich wollte aber unbedingt zurück, denn ich wusste, hier kann ich mehr tun als in Rostock.“ Daher packt die junge Frau neben ihrem Studium lieber noch im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach mit an.

„Ich war eigentlich im Norden, um ein Praktikum für mein Studium zu absolvieren“, erklärt Hilke Luck. „Als es dann zum Lockdown kam, war gleich klar, dass wir zum Semesterstart am 1.April mit Livestreams und verfilmten Seminaren von zu Hause aus weiterlernen.“ Eigentlich hatte die Angersbacherin geplant, nach ihrem Studium in die chirurgische Richtung zu wechseln, aber jetzt – im Studium des klinischen Teils – geht ihr Berufswunsch eher in den internistischen Bereich. „Ich könnte mir schon vorstellen, irgendwann eine Praxis aufzumachen“, überlegt die Studentin und lächelt.

Mit dem Eichhof-Krankenhaus ist Hilke Luck schon viele Jahre verbunden. Zuerst absolvierte sie dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete in der Notaufnahme. „Als mein Vertrag verlängert werden sollte, kam die Zusage für einen Studienplatz. Daher wurden die Stunden in meinem Vertrag reduziert, und ich bin seit drei Jahren Aushilfskraft dort.“ Und das im Moment in einer Zeit, die für Mediziner eine besondere ist.

Bekommt sie Zweifel an ihrem Berufswunsch, wenn sie die Berichte über die Herausforderung sieht, die Corona insbesondere an den medizinischen Sektor stellt? „Nein“, schüttelt Hilke Luck mit dem Kopf. „Durch meine Ausbildung bin ich schon mit offenen Augen in den Beruf gegangen. Ich bin also nicht völlig unerfahren, erlebe aber schon diese Pandemie aus einer anderen Perspektive. Denn ich glaube, dass ich die Informationen, die im Moment gegeben werden, anders bewerten kann, denn gerade jetzt beschäftige ich mich mit Mikrobiologie und Virologie. Und die Lehre nimmt im Moment natürlich immer wieder Bezug auf Corona.“ Gerade deshalb könne sie die Lockerungsbestrebungen, die im Moment immer stärker werden, nicht ganz verstehen. „Ich beobachte Menschen, die sich leichtsinnig und rücksichtslos anderen gegenüber verhalten, in dem sie durch ihr Verhalten nicht versuchen, die Pandemie einzudämmen. Ich weiß, dass das schwer ist, aber andere Länder schaffen das auch.“

Seit ihrer Ausbildung hat Hilke Luck immer im Lauterbacher Krankenhaus ausgeholfen. Dies auch jetzt zu tun, war für sie keine Frage. Im Vor-Corona-Vergleich sei es derzeit etwas ruhiger im Eichhof, da vermutlich einige Menschen einen Besuch im Krankenhaus meiden würden. „Wir haben immer in einer Art Anspannung gearbeitet, da wir befürchteten, dass das die Ruhe vor dem Sturm sei“, berichtet Hilke Luck. „Gerade weil wir die Bilder aus Italien und Spanien alle gesehen hatten.“ Bei Pandemien, führt sie weiter aus, spreche man immer von Wellenbewegungen. Und eine zweite Corona-Welle sei ihrer Meinung nach noch nicht auszuschließen. „Das Gefährliche an Corona ist, dass wir noch sehr wenig darüber wissen. Natürlich ändern sich deshalb auch die Empfehlungen der Fachleute, weil es immer wieder neue Erkenntnisse gibt“, gibt Hilke Luck zu bedenken. Das sei aber einigen Leuten, die Corona kritisch sähen, nur schwer zu vermitteln.

Hilke Luck freut sich immer, wenn sie auf dem Weg ins Eichhof-Krankenhaus ist. „Ich bin ein sehr hilfsbereiter Mensch. Und dann komme ich in Lauterbach immer wieder in dieses fantastische Team, in dem wir alle Gutes tun können.“ Und solange sie als Studentin noch vom Vogelsberg aus lernen kann, wird sie auch weiterhin jede Gelegenheit dafür nutzen.