Ein Ort für lebendiges und menschliches Miteinander

Eichhof-Stiftung Lauterbach und Vogelsberger Lebensräume realisieren Jugend- und Familienhaus in Lauterbach.

Der Vorstand des Fördervereins Psychiatrie Vogelsberg e.V. mit (von rechts) Harry Bernardis, Dr. Britta von Molo, Baronin Ulrike Riedesel, Dr. Christof Erdmann und Ilse Märker steht voll und ganz hinter dem Jugend- und Familienhaus „Alte Gärtnerei“.

Der Architektenplan zum Projekt soll bis zum Herbst dieses Jahres umgesetzt werden.

Auf dem Areal der ehemaligen „Alten Gärtnerei“ an der Wascherde in Lauterbach-Blitzenrod wird ein inklusives Jugend- und Familienzentrum der Vogelsberger Lebensräume entstehen. In Kooperation mit dem Jugendamt in Lauterbach ist ein Ort des Zusammenwachsens und der Begegnung geplant, der im Rahmen von „HueD - Hilfen unter einem Dach“ 12 stationäre, 6 teilstationäre und 27 ambulante Plätze anbietet. Investor und Träger des 2,5 Mio. EUR teuren Projektes ist die Eichhof-Stiftung Lauterbach.

Nachdem der Magistrat der Stadt Lauterbach grünes Licht für den Verkauf des Grundstücks gegeben hat, der Umzug des Personals der Stadtgärtnerei in den städtischen Betriebshof bereits vollzogen ist und in den nächsten 6 Monaten die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, soll auf dem ca. 4.000 Quadratmeter großen Gelände ein Gebäude mit 1.200 Quadratmetern Nutzraum entstehen sowie eine Außenanlage mit Terrasse und Garten angelegt werden. Hier wird ein wohnortnahes Jugend- und Familienzentrum entwickelt, das alle Hilfen für Familien, Eltern, Jugendliche und Kinder – von der Beratung über ambulante und teilstationäre bis zu stationären Leistungen – personenbezogen anbieten kann. Geplant ist ein Haus für 12 Kinder bzw. Jugendliche und ihre Familien, die den Schutz des Daches auch über Nacht benötigen, für 6 Kinder bzw. Jugendliche und ihre Familien, mit denen der Tag gestaltet wird, und für 27 Kinder und Jugendliche und ihre Familien, die in ihrer häuslichen Umgebung unterstützt werden sollen. Die Lage des Grundstücks mit der Nähe zur Schule, zu den Freizeitanlagen und zum Stadtzentrum ist ideal, sind sich die Verantwortlichen der Eichhof-Stiftung Lauterbach, der Vogelsberger Lebensräume und des Jugendamtes Lauterbach einig.

Seit mehreren Jahren läuft der Umbau in der Jugendhilfe im Vogelsbergkreis hin zu mehr Sozialraumorientierung. Dabei wird vermehrt auf die Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und freien Trägern gesetzt. „Es ist eine einmalige Chance, die familiäre Lebenswirklichkeit einer ganzen Region mitzugestalten. Ziel ist es, mit pädagogischer Unterstützung und Hilfestellung Familien, deren Verbund aus den Fugen geraten ist, wieder zusammenzuführen“, erklärt der Leiter der Vogelsberger Lebensräume Harry Bernardis. Das Jugendamt des Vogelsbergkreises ist Partner der Einrichtung und finanziert als Leistungsträger den laufenden Betrieb über ein pauschales Entgelt. Ein Team von 20 bis 25 ausgebildeten Sozialpädagogen in Voll- und Teilzeit soll die Begleitung und Unterstützung der Familien übernehmen.

Bernardis will das Jugend- und Familienhaus nicht als Betreuungseinrichtung verstanden wissen. „Wenn Eltern ihre Erziehungsleistung nicht mehr selbstständig erbringen können, Kinder und Jugendliche in Not Hilfe suchen oder das Jugendamt Bedarf zur Unterstützung sieht, dann sind wir gefordert, gemeinsam mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen, wie das familiäre Miteinander, das Verständnis füreinander und Liebe als Basis von Wertschätzung und Versöhnung behutsam wieder aufgebaut werden können.“

Um den hohen inhaltlichen Ansprüchen des Projektes gerecht zu werden, haben sich die Verantwortlichen der Vogelsberger Lebensräume gemeinsam mit dem in Fulda lebenden Philosophen, Theologen und Religionswissenschaftler Dr. Christoph Quarch der Frage gewidmet, was die Wesensmerkmale des Wohnens sind und versucht, die Bedeutsamkeit für die soziale Arbeit und die architektonische Umsetzung zu formulieren. „Es gilt einen Raum zu gestalten, der offen und geschlossen zugleich ist, der schützt und zu Begegnung einlädt und dabei so viel Normalität wie möglich zulässt. Dazu gehört auch, dass Freunde und Gäste der Heranwachsenden jederzeit zu Besuch kommen können“, erklärt Harry Bernardis. In seinem Vorhaben hat der erfahrene Sozialpädagoge mit dem Architekturbüro Dominique Tzschoppe aus Frankfurt am Main einen Partner gefunden, der über ein großes Verständnis für derlei inhaltliche Ansatzpunkte verfügt und bereits an anderer Stelle erfolgreich in ähnlichen Projekten tätig war.

Unterstützung bekommen die Vogelsberger Lebensräume auch vom Förderverein Psychiatrie Vogelsberg e. V., deren Vorsitzende Dr. Britta von Molo sich aktiv der Mittelakquisition – neudeutsch Fundraising – widmen will. „Wir wollen dafür Sorge tragen, dass neben der Regelversorgung darüber hinausgehende Projekte möglich sind. Dazu gehört die Anschaffung von besonders haltbaren Spielgeräten, Fahrrädern oder die Einrichtung eines Basketballplatzes. Auch in der Ausstattung des Gebäudes wollen wir mehr Wertigkeit zum Beispiel mit Holzmöbeln schaffen“, erklärt die Vorsitzende. Ihrer Erfahrung nach würden hochwertige Gegenstände mehr wertgeschätzt, da sich diese Wertewahrnehmung auch auf die Menschen übertrage.

Ein weiteres Anliegen ist es dem Förderverein auch, ein Nachbarschaftscafé einzurichten, damit Freunde, Nachbarn oder Gäste des Jugend- und Familienhauses bewirtet werden können und einen Ort vorfinden, an dem eine zwanglose Begegnung stattfinden kann. Zu diesem Zweck sucht der Förderverein private Sponsoren und Unternehmen, die bereit sind, mit kleinen und großen Spenden das einmalige Vorhaben in Lauterbach zu unterstützen. „Wir werden in den kommenden Wochen mit einem Anschreiben an Unternehmen in der Region für unser Projekt werben“, sagt Dr. Britta von Molo. Aber auch Kleinspenden seien dem Förderverein sehr willkommen. Selbstverständlich werde der Förderverein dafür Sorge tragen, dass die Gelder zweckgebunden eingesetzt werden. Auf einer Tafel sollen die Sponsoren genannt werden und sie können sich – wenn alles nach Plan verläuft – ab Herbst dieses Jahres von der Umsetzung selbst ein Bild machen, denn dann soll die „Alte Gärtnerei“ den Betrieb aufnehmen.