Wenn es in der Klinik brennt

Was passiert, wenn es während des laufenden Krankenhausbetriebs zu einem Feuer auf einer Station kommt? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus, Feuerwehr und Rettungsdienst? Und wie lassen sich Patienten sicher evakuieren? Dieses Szenario stand im Mittelpunkt einer Großübung mit rund 150 Beteiligten im Lauterbacher Eichhof-Krankenhaus, die monatelang vorbereitet worden ist.

Eine Verpuffung mit anschließendem Brand in einem Teil des Eichhof-Krankenhauses war das Szenario einer großen Feuerwehr- und Rettungsdienstübung am Samstag in Lauterbach. Dabei wurde unter anderem die Evakuierung von Patienten und deren anschließende Versorgung und Verlegung in andere Krankenhäuser geprobt. Für Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert stand am Ende fest: Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen habe sich durch die Übung weiterentwickelt. Die Erfahrung aus dem gemeinsamen Training könne nun genutzt werden, um die Abläufe für einen möglichen Ernstfall weiter zu verbessern.

Doch der Reihe nach: Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Patienten bei einem solchen Schadensereignis gesichtet, priorisiert und gegebenenfalls in andere Kliniken transportiert werden können. Nach Angaben von Florian Seel, leitender Notarzt des Vogelsbergkreises, wurden 15 Patienten durch die Krankenhauseinsatzleitung gesichtet und als regulär verlegbar eingestuft. Fünf weitere galten im Szenario als schwer verletzte sogenannte „rote Patienten“, für die eine Transportpriorität festgelegt wurde.

Für zwei als Brandopfer eingestufte Patienten war ein Hubschraubertransport vorgesehen, da es im Vogelsbergkreis keine Maximalversorger für schwer Brandverletzte gibt. Als mögliche Ziele für solche Spezialkliniken nannte Seel Hannover oder Offenbach. Weitere Patienten sollten nach Fulda verlegt werden, um im Eichhof-Krankenhaus Behandlungskapazitäten freizumachen.

Ein Patient mit einer akuten Bauch- beziehungsweise einer Blinddarmentzündung sollte nach Rücksprache mit der Krankenhausleitung direkt vor Ort versorgt und anschließend operiert werden. Damit bildete die Übung auch ab, dass nicht jeder Patient bei einer Evakuierung zwingend in eine andere Klinik gebracht werden muss.

Eine besondere Schwierigkeit ergab sich bei der Übung nicht. Die vorhandenen Fahrstühle konnten genutzt werden. Das war insbesondere deshalb von Bedeutung, weil sich der betroffene Bereich im zweiten Stock befand. Ohne die Aufzüge hätten die Einsatzkräfte die Patienten über mehrere Stockwerke über das Treppenhaus transportieren müssen. Gerade bei Patienten auf Tragen wäre dies eine zusätzliche Herausforderung gewesen. Vor Ort verfolgten auch Bürgermeister Holger Marx und die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Dorothee Hofmann, die Übung. Nicht nur für das Eichhof-Krankenhaus, sondern auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr sei es wichtig, solche Abläufe praktisch zu üben, sagte Marx, der in diesem Zusammenhang auch auf den Großbrand Ende Juli auf dem Lauterbacher Marktplatz erinnerte.

Für das Krankenhaus war die Übung nach Angaben des Geschäftsführers und Vorstands der Eichhof-Stiftung, Thomas Faust, eine besondere Situation. Ziel sei es gewesen, bestehende Einsatzpläne nicht nur auf dem Papier vorzuhalten, sondern tatsächlich praktisch zu erproben. „Wir wollten diese auch mal wirklich mit Leben füllen, konkret erleben und in der Praxis üben“, erklärte er. Gerade bei der Krankenhauseinsatzleitung habe sich gezeigt, dass viele Fragen erst dann sichtbar würden, wenn die Abläufe tatsächlich durchgespielt werden. Die Übung sei bereits seit mehreren Monaten vorbereitet worden, die Feuerwehr Lauterbach sei dabei ein wesentlicher Partner gewesen und auf das Krankenhaus zugekommen, um ein solches Szenario auch aus Sicht der Feuerwehr praktisch zu erproben.

Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert zog als Einsatzleiter der Feuerwehr Lauterbach ein positives erstes Fazit. Die Abstimmung zwischen der Technischen Einsatzleitung der Feuerwehr und der Krankenhauseinsatzleitung habe sehr gut funktioniert, auch die Einbindung eines Verbindungsmanns der Feuerwehr in der Krankenhauseinsatzleitung habe sich bewährt. „Ich glaube, das war ein guter Weg, den man vielleicht auch so festschreiben kann für die Zukunft“, sagte Eifert.

Neben Feuerwehr, Krankenhaus und Rettungsdienst war auch die Notfallseelsorge in die Übung eingebunden. Der Vertreter der Notfallseelsorge, Sven Kießling, sagte, dass gerade für Einsatzkräfte mit noch wenig Erfahrung solche Übungsmöglichkeiten wertvoll seien, um auch die psychische Belastung entsprechender Einsätze kennenzulernen. Die Übung hätte für die Notfallseelsorge allerdings noch anspruchsvoller sein können. Die Patientendarsteller seien überwiegend entspannt gewesen und hätten keinen Gesprächsbedarf dargestellt. Dennoch habe es Situationen gegeben, die für die Seelsorger realitätsnah wirkten.

Verschiedene Einsatzmittel wurden lediglich fiktiv angenommen. Dazu gehörten zwei Rettungshubschrauber, vier weitere Rettungsfahrzeuge sowie ein zusätzlicher Feuerwehrlöschzug. Tatsächlich im Einsatz waren der Löschzug Lauterbach-Mitte und der Löschzug Lauterbach-Süd sowie mehrere Fahrzeuge des Rettungsdienstes.

Nach Abschluss der praktischen Übung war eine gemeinsame Nachbesprechung vorgesehen, bei der die Beteiligten erste Eindrücke festhalten und auswerten wollten, was gut funktioniert hat und wo nachgebessert werden muss. „So eine Übung läuft nie perfekt“, sagte Krankenhausgeschäftsführer Faust. Das sei auch nicht das Ziel – vielmehr gehe es darum, Schwachstellen zu erkennen und gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Zahlen zur Übung

Die Übung im Lauterbacher Krankenhaus diente insbesondere dazu, die Abläufe zwischen Krankenhaus, Rettungsdienst und den weiteren beteiligten Einsatzkräften bei einer größeren Evakuierung zu überprüfen. Insgesamt waren rund 150 Personen beteiligt. Etwa 50 Einsatzkräfte kamen von der Feuerwehr, weitere rund 50 vom DRK-Kreisverband Lauterbach. Hinzu kamen Krankenhauspersonal, die Krankenhauseinsatzleitung, Personal auf der betroffenen Station, zwei Kräfte der Notfallseelsorge, Übungsbeobachter sowie 18 Patientendarsteller.