Schnell Erfolge erzielen

Nachdem Mathias Rauwolf Ende August seinen Vorstandsposten bei der Lauterbacher Eichhof-Stiftung nach rund sechsjähriger Tätigkeit auf eigenen Wunsch geräumt hatte, war mit dem 47-jährigen Finanzfachmann Thomas Faust, der bereits als besonderer Vertreter der Stiftung fungiert hatte, der Nachfolger schnell gefunden. Der Hosenfelder versteht sich als Teamplayer und pflegt einen anderen Führungsstil als sein Vorgänger. Seine ersten 100 Tage im neuen Amt liegen hinter ihm.

Herr Faust, die ersten 100 Tage im Amt als Vorstand der Eichhof-Stiftung liegen hinter Ihnen. Die Schonfrist ist vorbei. Oder hatten Sie als langjähriger Mitarbeiter gar keine? 

Faust: Es war schon eine besondere Zeit. Eine Schonfrist gab es keine, die konnten wir uns nicht leisten, da viele dringende Themen anstehen. Weshalb für die Vorstandsbesetzung auch eine interne Lösung präferiert wurde. Ich bin vom ersten Tag an voll eingestiegen.

Sie sind seit 18 Jahren im Haus, haben mit Dr. Christof Erdmann und Mathias Rauwolf quasi zwei ihrer Vorgänger erlebt. Was machen Sie als oberster Chef anders als diese?

Was ich anders machen möchte und worauf ich Wert lege, ist eine andere Führungskultur als bisher. Zusammen mit dem Ärztlichen Direktor Dr. Johannes Roth und dessen Stellvertreter Dr. Martin Grapengeter agiere ich im Team für wichtige Entscheidungen. Jeden Montag haben wir ein Meeting, bei dem auch die Pflegedienstleitung und Kollegen des Controllings sowie sporadisch Stiftungsratsvertreter eingebunden sind. Alle zwei Wochen führen wir Gespräche mit dem Betriebsrat, damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfänglich über Veränderungen informiert werden und wissen, wohin die Reise geht.

Wichtig ist es uns, Planungen auch wirklich im Detail verbindlich umzusetzen und mit möglichst großer Transparenz ein Bewusstsein zu schaffen, dass Veränderungen herbeigeführt werden müssen. Was meiner Meinung auch bereits vorhanden ist.

Anders als Ihr Vorgänger wollen Sie in Bezug auf die Mitarbeiter einen kommunikativen Führungsstil pflegen, der die Belegschaft mehr einbindet. Ist Ihnen das bereits gelungen? 

Ja, ich denke schon. Der Austausch ist wichtig. Ich führe viele Gespräche mit Mitarbeitern. Auch in Bereichen, in denen es Probleme gibt, um mir selber ein Bild zu machen. Dass sich schon was verändert hat, hat sich bei unserer Weihnachtsfeier aller Einrichtungen der Stiftung gezeigt. Wir hatten so viele Anmeldungen wie noch nie.

Sie waren bis vor Kurzem der Mann der Zahlen in der Eichhof-Stiftung und hatten als Finanzchef großen Einblick in alle Bereiche. Gab es dennoch „Leichen im Keller“, auf die Sie nach Ihrem Amtsantritt im September gestoßen sind?

Es gab auch „Leichen im Keller“, die uns allerdings bekannt waren. Wir sind dabei, sie zu „beheben“. So schauen wir beispielsweise, wo es Vertragsanpassungen geben muss.

Die finanzielle Situation für Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung ist bekanntermaßen schwierig – auch durch nicht kostendeckende Fallpauschalen und steigende Kosten. Die zurückliegenden Jahre haben Spuren hinterlassen. Rund drei Millionen Euro, so hieß es, hätten aus dem Stiftungsvermögen jährlich ins Eichhof-Krankenhaus zugeschossen werden müssen. Sind die Rücklagen inzwischen aufgebraucht?

Die wirtschaftliche Entwicklung bereitet Sorgen, weil die Erträge der letzten Jahre nicht so waren, wie es nötig gewesen wäre. Die Situation bildet sich entsprechend in den Planungen für das Jahr 2026 ab, um Verbesserungen zu erzielen. In Abstimmung mit den Einrichtungsleitungen unserer gemeinnnützigen Gesellschaften der Stiftung haben wir bereits die Wirtschaftspläne für das kommende Jahr aufgestellt. Das Stiftungsvermögen ist nicht gänzlich aufgebraucht, aber es sind keine großen Reserven mehr vorhanden. Unsere Aufgabe ist es jetzt, möglichst schnell wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Ich bin keiner, der gleich die Politik um Hilfe ruft. Wir werden erst intern schauen, wo wir Dinge verändern oder noch besser machen können und dann nach strategischen Möglichkeiten suchen, um unser medizinisches Niveau zu halten. Alleine oder auch im Verbund.

Welche großen „Baustellen“ beschäftigen Sie zurzeit? Stichworte waren bei Ihrer Vorstellung die bereits erwähnte wirtschaftliche Sanierung des Krankenhauses und die Definierung von künftigen Behandlungsschwerpunkten – sogenannten Leistungsgruppen – im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes.

Die Leistungsgruppen sind noch nicht vergeben, erwartet werden genaue Festlegungen im dritten Quartal des kommenden Jahres. Noch ist alles in der Schwebe. Das Eichhof-Krankenhaus erfüllt die Voraussetzungen zum Erhalt des Sicherstellungszuschlags nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses. Wir sind somit systemrelevant. Und natürlich hoffen wir, dass wir unser bisheriges Leistungsspektrum halten können.

Wir bieten in Lauterbach rund um die Uhr ein Behandlungsangebot auf hohem Level, an dem wir möglichst festhalten wollen. Etwa mit unserer intensivmedizinischen Versorgung, unserer Notfallversorgung, der Gastroenterologie, der Kardiologie, der Unfallchirurgie und Orthopädie sowie der Geriatrie und der Psychiatrie. Für die Gesundheitsversorgung in der Region möchten wir unseren Links-Herzkatheter-Messplatz, den wir immerhin acht Stunden am Tag besetzen, gerne weiter vorhalten. Eine lebensrettende Untersuchung, die nur wir im Vogelsbergkreis anbieten. Hierfür ist jedoch die entsprechende politische Unterstützung notwendig.

Im Sinne der Versorgungssicherheit der Menschen in der Region ist der Erhalt des hohen Niveaus wichtig, und darüber hinaus auch deshalb, um als Weiterbildungsstandorte insbesondere für Assistenzärztinnen und -ärzte attraktiv zu bleiben. Viele, die hier ihre Aus- und Weiterbildung absolviert haben, sind geblieben oder haben sich im Vogelsberg niedergelassen.

Angestrebt wird seitens Ihres Hauses auch eine engere Kooperation mit anderen Krankenhäusern. Etwa mit dem Alsfelder Kreiskrankenhaus. Wie steht es damit?

Wir haben bereits mehrere Gespräche mit Landrat Dr. Jens Mischak und dem KKH-Geschäftsführer Volker Röhrig geführt, um gemeinsame Themenfelder zu finden. Der Neubau in Alsfeld schafft Fakten, die bei der Suche nach gemeinsamen Themenfeldern berücksichtigt werden müssen. Für die Grundversorgung benötigt es in bestimmten Bereichen weiterhin in beiden Häusern eine Innere Abteilung und eine Chirurgie, die parallel weiter bestehen werden. In anderen Bereichen werden sich die Leistungsangebote in Zukunft sicherlich unterscheiden. Rückblickend hätte ein intensiverer zielführender Dialog gemeinsame Lösungen entwickeln können. Trotzdem gibt es weitere Gespräche, um Gemeinsamkeiten zu definieren und Punkte zu finden, wo eine Zusammenarbeit sinnvoll für beide Häuser ist. Eine wichtige Rolle kommt künftigen Kooperationen mit Kliniken der Maximalversorgung zu, um unseren Patienten durch eine enge Vernetzung und definierte Patientenpfade bei Bedarf die bestmögliche Weiterbehandlung zu ermöglichen.

Welche Ziele möchten Sie für die Eichhof-Stiftung mit ihren gemeinnützigen Gesellschaften in Ihrem ersten Jahr als Vorstand erreicht haben?

Ein ganz großes Ziel für mich ist es, wirtschaftlich eine deutliche Ergebnisverbesserung zu erzielen. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung getan haben.

Des Weiteren ist es mir ein großes Anliegen, die Eichhof-Stiftung mit all ihren Einrichtungen, und was diese für die Region leisten, verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik zu rücken. Bei wichtigen Entscheidungen müssen sie mit im Fokus stehen. Ich möchte eine wertschätzende Führungskultur im Haus, mit einem guten Arbeitsklima, das sich auch herumsprechen sollte. Beim Thema Fachkräftesicherung setzen wir ganz bewusst auch auf die Aus- und Weiterbildung junger Menschen aus unserer Region, die für unser Haus auch Zukunft bedeuten. Aktuell haben wir 70 Auszubildende, die bei uns ein breites Spektrum an Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten finden.

Persönlich

Thomas Faust, Health Care-Manager und Controller IHK, ist seit 1. September dieses Jahres neuer Vorstand der Eichhof-Stiftung Lauterbach und in dieser Funktion ebenfalls Geschäftsführer des Krankenhauses Eichhof sowie der weiteren Tochtergesellschaften Eichhof Pflege gGmbH mit dem ambulanten Pflegedienst Sozialstation Eichhof und dem Seniorenzentrum Schlitzerland, der Krankenhaus Eichhof Service gGmbH, der MVZ Eichhof gGmbH sowie der Vogelsberger Lebensräume gGmbH. Er löste den 59-jährigen Mathias Rauwolf ab, der auf eigenen Wunsch die Stiftung nach sechsjähriger Tätigkeit verließ. Der 47-jährige Hosenfelder hat mit seiner Position kein Neuland betreten. Denn er ist bereits seit dem Jahr 2007 für die Eichhof-Stiftung tätig. Zunächst fungierte er als Leiter der Buchhaltung und in der Folge als kaufmännischer Leiter und besonderer Vertreter der Stiftung, die mit fast 1000 Beschäftigten zweitgrößter Arbeitgeber im Vogelsbergkreis ist.

Der zweifache Familienvater engagiert sich in seiner Heimatgemeinde Hosenfeld in der Feuerwehr und in der Kirchengemeinde.