Es steht nicht gut um die ambulanten und belegärztlichen HNO-Operationen, insbesondere bei Kindern. Das prangern Hals-Nasen-Ohren-Ärzte bundesweit an. Sie werden zu schlecht vergütet, beklagten jüngst die Fachärzte in einem Brandbrief an Politik und Krankenkassen.
Auch im Vogelsbergkreis in Hessen sind die Auswirkungen spürbar. Das Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach will als „Versorger der Region“ gegensteuern. Seit einigen Monaten stand das ambulante Operieren von „Polypen“ bei Kindern im Lauterbacher Eichhof-Krankenhaus auf der Kippe, jetzt dürfen betroffene Eltern aufatmen.
Lösung für HNO-Operationen von Kindern gefunden
Hals-Nasen-Ohren-Fachärztin Gabriele Plöger kann ihre kleinen Patientinnen und Patienten hier weiterhin operieren. Wegen der finanziellen Unterdeckung dieses Bereichs hatte der ehemalige Vorstand das Ende dieser Eingriffe für das Eichhof angekündigt und Plöger den Vertrag gekündigt.
„Wir haben nach einer Lösung gesucht, um die Versorgung der Kinder in diesem Bereich sicherzustellen“, betont Eichhof-Vorstand Thomas Faust. Bisher seien diese Eingriffe von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) relativ niedrig vergütet worden, obgleich sie einen hohen Aufwand für das Haus darstellten.
Inzwischen habe die KV eine höhere Vergütung der chirurgischen und anästhesistischen Leistungen für diesen Eingriff für Kinder bis zwölf Jahre umgesetzt. Und da Gabriele Plöger auf die Mehrvergütung ihrer Arbeit zugunsten des Krankenhauses verzichte, würden diese weiter vorgenommen, auch wenn sie noch immer nicht zu 100 Prozent kostendeckend seien.
„Ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung“ sei das Entfernen von Polypen bei Kindern, betont Anästhesie-Chefarzt Dr. Martin Grapengeter, der die unzureichende Finanzierung der HNO-Kinderoperationen kritisiert. Immer mehr belegärztliche HNO-Abteilungen würden deutschlandweit geschlossen, weil sie nicht lukrativ genug seien.
Es sehe zunehmend düster aus für die Versorgung der kleinen Patienten, fürchtet der Mediziner. Das bestätigt HNO-Ärztin Gabriele Plöger aus eigener Erfahrung, die mittlerweile Anfragen für Kinder-OPs aus ganz Deutschland bekommt, weil die Wartezeiten andernorts bis zu einem Jahr und länger dauern könnten.
Krankenhaus hofft auf Unterstützung vom Vogelsbergkreis
„Was fatal für die betroffenen Kinder ist, die aufgrund nicht rechtzeitig entfernter Polypen schlecht Luft bekommen und nicht gut schlafen, anfällig für Infekte sind, nicht richtig hören, reden, schmecken und riechen können“, weiß sie aus ihrem Praxisalltag. Alle vier Wochen mittwochs operiert sie Kinder im Eichhof-Krankenhaus.
Darüber hinaus ist sie Belegärztin am Alsfelder Kreiskrankenhaus, wo sie, ebenso wir ihr Mann Dr. Manfred Heide, der in Alsfeld seine HNO-Praxis betreibt, stationäre HNO-Operationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene durchführt.
„Wir sind froh über das große Engagement Gabriele Plögers“, betont Faust. Auch durch ihre Bereitschaft und ihr Mitwirken habe das Krankenhaus die drohende Versorgungslücke schließen können, da im Alsfelder Haus seit 2024 nur noch Kinder ab sechs Jahren operiert würden.
Auch Gabriele Plöger zeigt sich erleichtert über die gefundene Lösung zum Wohle ihrer Patienten. Die jedoch in der Form nicht von Dauer sein könne und zunächst nur bis Ende 2026 vereinbart sei. An den Operationen verdiene sie kaum etwas, wenn sie Aufwand und Haftpflichtversicherung hochrechne.
Das unterstreicht auch Thomas Faust, der erst nach einem Wechsel an Spitze der Eichhof-Stiftung seit September 2025 neuer Klinik-Vorstand ist und langfristig auf die finanzielle Unterstützung seitens des Vogelsbergkreises hofft, da sein Haus eine Lücke in der regionalen Versorgung schließe.
Fuldaer Zeitung | Sebastian Reichert | Foto: Kempf
