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Wenn das Herz nicht mehr im Rhythmus schlägt ...



Dr. Jürgen Wilhelm und Dr. Markus Schoppet klärten rund 100 interessierte Zuhörer auf.

Herzrhythmusstörungen haben die Eigenschaft, Menschen besonders zu beunruhigen. In den Sprechstunden der kardiologischen Praxen kommt dieses Thema am häufigsten vor, und viele Betroffene reagieren mit Angst und Ratlosigkeit auf die Unregelmäßigkeiten ihres Herzschlags.

In Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Zentrum Eichhof informierten jetzt im Rahmen der Herzwoche im "Lauterbacher Hof" die Kardiologen Dr. Jürgen Wilhelm und Dr. Markus Schoppet aus Lauterbach rund 100 Interessierte über den aktuellen Stand von Diagnostik und Therapie sowie neue Entwicklungen.

Herzrhythmusstörungen können völlig harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sein, erklärte Chefarzt Dr. Wilhelm. Er erklärte anhand einer Power-Point-Präsentation zunächst die Funktion des Herzens. Die normale Herzschlagfolge im Alltag liegt zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute. Bei seelischer oder körperlicher Belastung kann der Puls auch bis auf eine Frequenz von 160 bis 180 steigen.

Nachts sinkt die Herzfrequenz ab und liegt bei vielen Menschen zwischen 45 und 55 Schlägen pro Minute. Die untere Grenze zum krankhaften Befund liegt, so Wilhelm, bei etwa 40 Schlägen pro Minute. Oft sind Herzrhythmusstörungen Folge einer Herzkrankheit, bei Gesunden können sie auch mit Fehlzündungen eines Motors verglichen werden.

Der Nachweis von Herzrhythmusstörungen kann durch ein Ruhe-, ein Belastungs- oder Langzeit-EKG oder einen Ereignisrekorder diagnostiziert werden. Bestätigt sich eine Herzrhythmusstörung, müssen die Ursachen gesucht und behandelt werden. Rhythmusstörungen können durch eine Erkrankung des elektrischen Impulsgebers hervorgerufen werden oder die Folge einer Herzkrankheit oder anderer Krankheiten, zum Beispiel einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Exakt einordnen kann eine mögliche Erkrankung nur ein Internist oder Kardiologe, so Wilhelm.

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist Vorhofflimmern. Daran leiden in Deutschland rund eine Million Menschen. Hierbei ziehen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen, wodurch sich Blutgerinnsel bilden können, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen, was zum Schlaganfall führt. Vorhofflimmer, das bei der Hälfte der Patienten ohne Beschwerden auftritt, bleibt oft unbemerkt. Unbehandelt sind diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgeliefert, stellte Wilhelm fest.

Die meisten Herzrhythmusstörungen sind Folge von Bluthochdruck, einer koronaren Herzkrankheit oder Folge von Klappenfehlern sowie anderen Grunderkrankungen wie zum Beispiel einer Schilddrüsenüberfunktion. Häufige Anfälle können durch spezielle Medikamente verhindert werden. Auch Kalium- und Magnesiummangel können Herzrhythmusstörungen auslösen.

Über das Vorhofflimmern sprach Dr. Schoppet. Die Beschwerden zeigen sich durch Herzrasen und Luftnot. Allerdings findet man bei zehn Prozent der Patienten keine Ursache. Schoppet erklärte die Wirkungsweisen verschiedener Medikamente, aber auch die Nebenwirkungen.

Mit Stressabbau, Gewichtsreduzierung und einem Maßhalten von Alkohol kann der Patient selbst einen Beitrag zur Vermeidung von Rhythmusstörungen leisten. Der Einsatz eines Defibrillators kann vor dem plötzlichen Herztod schützen, stelle Schoppet fest. Auch können Genussgifte, reichlicher Konsum von Kaffee, emotionaler Stress, Medikamente und Schlafmangel das Herz aus dem Takt bringen, ergänzte Wilhelm abschließend.

Es schloss sich ein lebhafter Austausch an, und beide Ärzte hatten viele Fragen zu beantworten.

Lauterbacher Anzeiger (er)

20.11.2010