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Viel Last, aber noch mehr Lust



Kirchenpräsident Dr. Volker Jung im Eichhof-Krankenhaus über sein Amt an der Spitze der Landeskirche.

Gastgeber und Redner im Eichhof-Krankenhaus (von links): Helmut Totzek, Dr. Volker Jung sowie vom Stiftungsrat der Vorsitzende Dr. Hanns-Ulrich Wagner und sein Stellvertreter Kurt Joachim Riedesel.
Gastgeber und Redner im Eichhof-Krankenhaus (von links): Helmut Totzek, Dr. Volker Jung sowie vom Stiftungsrat der Vorsitzende Dr. Hanns-Ulrich Wagner und sein Stellvertreter Kurt Joachim Riedesel.
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat in seiner Kirche weniger Durchgriffsrechte, als Gläubige oft annehmen. Dafür ist er über die Medien in der Öffentlichkeit und in den Gemeinden stärker präsent als früher. Das erklärte Kirchenpräsident Dr. Volker Jung in seinem Vortrag im Rahmen von „Kultur im Krankenhaus" des Medizinischen Zentrums Eichhof in Lauterbach.

Dr. Jung ist dem Krankenhaus eng verbunden. Bis zu seinem Amtsantritt als Kirchenpräsident war der damalige Lauterbacher Pfarrer und Dekan Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Heilanstalt für Kranke. Helmut Totzek, Vorsitzender des Arbeitskreises „Kultur im Krankenhaus", gelang es, einen Termin bei Dr. Jung zu erhalten - vielleicht auch deshalb, weil Totzek eng mit der Lauterbacher Kirche verbunden ist. Er gehörte von 1991 bis 2009 dem Kirchenvorstand an, von 1994 bis 2006 als dessen Vorsitzender.

„Die Belastung ist manchmal sehr groß, die Tage sind sehr lang - aber es ist ein positiver Stress, es macht mir Spaß, sonst wäre die Arbeit gar nicht zu leisten", sagte Dr. Jung. Ein Beleg dafür: Vor seinem Vortrag in Lauterbach war er in Offenbach, nach der Rede im Krankenhaus reiste er weiter nach Wuppertal.

„Kirche leiten im 21. Jahrhundert" war Dr. Jungs Thema. Viele Gläubige machten sich falsche Vorstellungen, wenn sie ihm schrieben, er müsse einmal in einer Gemeinde eingreifen, vielleicht sogar den Pfarrer versetzen - etwas, was ein katholischer Bischof durchaus kann. Die Kirchenleitung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sei ein Kollegialorgan, in dem die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten, der Leiter der Kirchenverwaltung (ein Jurist), die sechs Pröpste und die vier gewählten Laien das gleiche Stimmrecht haben wie der Kirchenpräsident. Zudem ist die Kirchenleitung an die Beschlüsse der Synode, des Kirchenparlaments, gebunden.

„Verbunden ist die von uns gewollte Form der demokratischen Leitung mit vielen Gremiensitzungen. Einmal im Monat tagen wir einen Tag lang von ca. 9 bis 19 Uhr und behandeln 50 bis 60 Punkte. Fünf bis sechs Themen sind strittig und werden intensiv diskutiert", berichtete Dr. Jung. Der Kirchenpräsident könne Akzente setzen und die Debatte leiten, aber nicht einfach seine Meinung durchsetzen.

Der Auftrag an den Kirchenpräsidenten, auf die schriftgemäße Verkündung zu achten und die Gemeinden „zu beraten, zu trösten und ermahnen" und die „Einheit der Kirche zu sichern" sei in demokratischen Strukturen zwar schwierig, aber gebe ihm „ein letztes Recht, Grenzen zu setzen".

Ein wichtiges Recht des Präsidenten sei es, sich in eigener Verantwortung zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen öffentlich zu äußern. Das sei wichtig, denn Kirche werde stark über die Medien wahrgenommen: „In gewissen Grenzen muss Kirche mitspielen, wenn sie nicht als belanglos erscheinen will."

Sein Ziel sei es, in aktuellen politischen Diskussionen die spezifisch christliche Perspektive zu vertreten. Der Kirchenpräsident nannte als Beispiel die Debatte um eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze. Er sehe es nicht als Aufgabe der Kirche, sich zu konkreten Summen zu äußern. Vielmehr müsse die Kirche mahnen, die Welt auch aus der Perspektive der Schwachen wahrzunehmen. In der Frage der Nutzung der Kernenergie müsse die Kirche die Frage stellen, welche Einschränkungen wir alle für eine neue Form der Energiegewinnung hinzunehmen bereit wären.
Medien neigten immer mehr dazu, ihre Geschichten über Personen zu transportieren. Es gebe auch im Protestantismus eine Sehnsucht nach interessanten Persönlichkeiten. Das habe man gesehen, als mit Margot Käßmann das Amt des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland so populär und bekannt gewesen sei wie nie zuvor. Die Kirche dürfe sich vor der Personalisierung nicht verschließen, aber sie müsse eine Balance zwischen Amt und Person finden.

Dr. Jung benannte drei große Herausforderungen, vor denen er die Kirche sehe: In einer zunehmend säkularen Welt müsse sie die Christen ermutigen, sich öffentlich als Christen zu bekennen. Sie müsse den demografischen Wandel gestalten. „Es wird nicht mehr jeden Sonntag in jedem Dorf einen Gottesdienst geben können; aber das dichte Netz an Pfarrern müssen wir erhalten", sagte Dr. Jung. Die Kirche solle Freude am Glauben und am Gebet, am Gottesdienst und an der Gemeinschaft verbreiten. Sie solle für die Menschen in Not da sein und ihre Position deutlich, aber tolerant, verbreiten.

Medizinisches Zentrum Eichhof

08.04.2011