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Nicht heilbar, aber behandelbar
Oberarzt Stefan Wiegand informierte bei dem „Samstag gegen das Vergessen“ über Demenz und riet zu mehr Gelassenheit.








Demenz trifft zunehmend mehr Familien. Vielleicht war der „Samstag gegen das Vergessen“ in der Aula des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, organisiert vom Seniorenbeirat Alsfeld und dem Vogelsberger Bündnis für Familien, deshalb so gut besucht: 120 Zuhörer wollten sich bei Oberarzt Stefan Wiegand von der Psychiatrischen Abteilung des Medizinischen Zentrums Eichhof in Lauterbach über den Umgang mit Demenz informieren.
Wiegands wichtigster Rat war Gelassenheit. Weil die Menschen insgesamt älter werden, trete Demenz häufiger auf. Aber nicht jeder werde getroffen, und die Gesellschaft werde sich auf die steigende Zahl der Demenzkranken einstellen. Und nicht jede Vergesslichkeit sei eine Form der Demenz.
Demenz ist nach Wiegands Darstellung ein Krankheitsoberbegriff. Die bekannteste und am häufigsten auftretende Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, die mehr als die Hälfte der Fälle ausmacht. Die zweithäufigste Ursache mit etwa 20 Prozent ist die gefäßbedingte Demenz, die so genannte vaskuläre Demenz. Ein Schlaganfall kann etwa Auslöser sein.
„Wenn Sie auffällige Gedächtnisstörungen haben, zögern Sie nicht, gehen Sie zu Ihrem Arzt und sprechen Sie das Problem an“, riet der Mediziner. Mögliche Ursachen der Störungen können nämlich etwa auch Erkrankungen der Schilddrüse, ein Vitaminmangel, Herz-Kreislauf-Probleme oder Depressionen sein, was sich behandeln lasse, oder schlicht, dass der Betroffene zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt.
Von Demenz spreche man, wenn Gedächtnisstörungen zu starken Einschränkungen im Alltag führten und die Beschwerden seit mindestens sechs Monate bestehen. „Weil man die genauen Ursachen noch nicht kennt, ist die Alzheimer-Demenz nicht heilbar. Aber die Krankheit ist behandelbar“, sagte Wiegand. Oberstes Ziel sei es, die Lebensqualität des Erkrankten zu verbessern. Dafür müsse man für jeden Patienten eine eigene Strategie entwickeln. Wenn die Eltern Demenz hatten, trage man ein höheres Risiko, an der Krankheit zu erkranken, aber es sei überhaupt nicht sicher, dass man erkranke.
Demenz müsse nicht dazu führen, dass der Lebensmut des Betroffenen sinke. „Das ist oft dann der Fall, wenn der Kranke von seiner Umgebung nicht mehr ertragen wird. Geborgenheit und Wertschätzung sind wichtige Faktoren, um die Lebensfreude trotz Demenz zu erhalten“, sagt der Psychiatrie-Oberarzt. Die Psychiatrie des Eichhof-Krankenhauses hat den Versorgungsauftrag für den gesamten Kreis. In Tests konnten Besucher bei Fachkrankenpfleger Ingo Schwalm vom Eichhof-Krankenhaus ihr individuelles Risiko testen.
Gerhard Rückl, Vorsitzender des Seniorenbeirats, unterstrich, wie wichtig es sei, keinen Betroffenen und keinen Angehörigen allein zu lassen. Er dankte den 13 Verbänden und Institutionen, die ihre Arbeit in der Aula präsentierten, nämlich das Haus Stephanus, das Rambachhaus, die ambulanten Dienste des Rambachhauses, die Sozialstation Alsfeld-Romrod am Kreiskrankenhaus, der Arbeitskreis ambulante Pflege der Sozialstation Alsfeld-Romrod, der Hospizverein Alsfeld, der Osteoporose Selbsthilfegruppe, die Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe Albatros, die Selbsthilfegruppe der Dialysepatienten und Transplantierten, die Selbsthilfegruppe Alsfeld der Rheumaliga Hessen, das Rote Kreuz Alsfeld, die Johanniter-Unfallhilfe und die Altenpflegeschule Alsfeld. Viel Nachfrage gab es nach einem Anti-Stress-Programm für pflegende Angehörige demenziell erkrankter Angehöriger, das an fünf Abenden im Januar 2011 stattfindet.
„Demenz ist eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte“, äußerte Rosemarie Müller, Seniorenbeauftragte des Vogelsbergkreises. Für die Menschen im Kreis müsse dies ein Anlass sein, eine neue Kultur des Helfens zu suchen. Dem Bündnis für Familien sei es wichtig, Demenz aus einer Grauzone herauszuholen, und die Betroffenen mit einem Netzwerk von Hilfsangeboten zu unterstützen.
„Die Zahl der Demenzkranken wird zunehmen. Niemand ist davor gefeit, demenzkrank zu werden“, sagte der Alsfelder Bürgermeister Ralf A. Becker. Der Umgang mit der Krankheit sei für die Angehörigen schwierig, weil der Kranke äußerlich praktisch unverändert bleibe, sich aber dessen Persönlichkeit verändere. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem 14 Jahren alten Pianisten Christian Karl.
