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Kranken den Weg in die Normalität erleichtern
Mit "Begleitetem Wohnen" binden Vogelsberger Lebensräume seelisch Kranke in das alltägliche Leben ein.

Seelisch Kranken so viel geregeltes Familienleben wie möglich zu gewähren, ist Ziel des Projektes "Begleitetes Wohnen" der Vogelsberger Lebensräume. Menschen, die sonst vermutlich länger in der Psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses bleiben oder einem Heim leben müssten, können durch das Leben in einer Familie sehr viel alltägliche Normalität erfahren.
"Viele psychisch Kranke verlieren durch ihre Krankheit Kompetenzen und soziale Kontakte. Durch das Wohnen in einer Familie erleben sie Normalität, und zugleich leben sie in einem Umfeld, in dem sie sich meist wohler fühlen als in einem Heim", berichtet Nicole Bodenbach (41), gelernte Krankenschwester und Leiterin des Bereiches Begleitetes Wohnen. Sie bringt
den Vorteil des Projektes für den Klienten so auf den Punkt: "Weil man nicht in einem Heim lebt, sondern in einem Zuhause, fühlt man sich nicht so krank. Das Begleitete Wohnen stabilisiert."
Seit über zehn Jahren existiert das "Begleitete Wohnen" in Nordhessen, vor zwei Jahren begannen die Vogelsberger Lebensräume, Familien zu suchen, die einen seelisch kranken Menschen gegen ein Entgelt bei sich aufnehmen könnten. 30 Familien meldeten sich und wurden von den Mitarbeitern der Lebensräume bezüglich ihrer Eignung überprüft.
Aktuell nimmt eine seelisch erkrankte Frau an dem Projekt teil, die Aufnahme von zwei weiteren Menschen in eine Familie wird vorbereitet. Die 57 Jahre alte Arzthelferin litt unter starken Angstzuständen. Sie wurde in der Psychiatrie des Klinikums Fulda, dann in einem Wohnheim in Flieden und schließlich in einer Außenwohngruppe betreut, als sie von dem Projekt der Vogelsberger Lebensräume las. Ihr Interesse an Lauterbach wurde dadurch
erhöht, weil sie ihren Hund in Lauterbach in Pflege gegeben hatte.
Bis heute sind ihre Angstzustände so groß, dass sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und nicht allein bleiben kann. Seit vier Monaten wohnt sie bei der früheren Verwaltungsangestellten Inge Eifert (67) in Lauterbach-Frischborn. "Ich bin in Rente, die Kinder sind aus dem Haus. Ich suchte eine neue, sinnvolle Beschäftigung und sah die Anzeigen der Vogelsberger Lebensräume", erklärt die frühere Angestellte.
Der Alltag der beiden Frauen ist nicht anders als bei vielen anderen Vogelsberger Familien. Sie nehmen die Mahlzeiten gemeinsam ein, erledigen - soweit die Arzthelferin das will - Haus- oder Gartenarbeit, machen Besorgungen und Besuche. Sie gehen spazieren, führen viele, lange Gespräche und besuchen den Terrier der 57-Jährigen.
Einmal pro Woche kommt Nicole Bodenbach - die für beide Frauen rund um die Uhr zu erreichen ist - in Frischborn vorbei und bietet ihre Unterstützung an. Jeden Freitag ist die 57-Jährige in der Tagesstätte in der Fuldaer Straße in Lauterbach.
"Es geht mir langsam besser", hat die psychisch kranke Frau festgestellt. Sie hat neue Kontakte geknüpft und geht auch schon allein spazieren. "Vor vier Monaten hätte ich mich das nie getraut", berichtet sie. Die blonde Frau hat noch viele, viele Schritte vor sich, bis sie ihr Leben wieder ganz allein meistern kann. Aber im familiären Umfeld von Inge Eifert fallen ihr auch die schweren Schritte leichter.
Interessenten an dem Projekt können sich an die Vogelsberger Lebensräume wenden, Telefon 06641 9668-0 oder bwf@vb-lebensraeume.de
