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In Würde Abschied nehmen
Das Medizinische Zentrum Eichhof in Lauterbach hat im Krankenhausneubau einen Abschiedsraum eingerichtet.




Raumnummer U2.026 - wie jeden anderen Raum im Krankenhaus bezeichnet ein einfaches Schild auch den Abschiedsraum im Untergeschoss des Medizinischen Zentrums Eichhof. Wer hier eintritt, der hat gerade einen ihm nahestehenden Menschen verloren und nutzt die Stille dieses Zimmers, um ungestört Abschied zu nehmen. Keine Kabelbäume und kein technisches Gerät verstellen den Blick. Kein Telefonanschluss, kein kaltes Neonlicht, kein steriler Boden, kein Piepen, Klicken und Klingeln. Hier weicht die Geräuschkulisse eines Krankenhauses dem Schweigen angesichts des Todes.
„Trauer wird leichter, wenn sie einen guten Anfang nimmt. Ein würdevoller Abschied benötigt angemessene Rahmenbedingungen“, erläutert Pfarrer Theo Günther die Hintergründe zur Raumgestaltung. Als Verantwortlicher für die Krankenhausseelsorge im Vogelsberg hatte er bereits im Herbst 2009 gemeinsam mit der Pflegedienstleitung im Krankenhaus Eichhof, Frau Ingeborg Schaub-Eiffert, sowie dem Prädikanten Christoph Hilbrig die Ansprüche an einen solchen Raum formuliert. Schließlich wurde ein Innenarchitekt mit der Umsetzung betraut. Ein Jahr verging von der Idee bis zur Fertigstellung.
Es entstand ein Raum, in dem sich sowohl Schlichtheit als auch Ambivalenz widerspiegeln. Schlicht ist er, um Konzentration zu ermöglichen, auf die innere Zwiesprache mit dem Verstorbenen, der in seinem Krankenbett aufgebahrt in der Raummitte liegt. An den Seiten eine Holzbank und zwei schwere Hocker, auf denen man eher hart als bequem sitzen kann. Die scharfen Kanten der schweren Möbel symbolisieren auch die Härte des Verlusts. Ambivalenz drückt sich aus in dem Gegensatz zwischen einem fast schwarzen Boden und einer weißen Raumdecke, in die verschiedene Lampen eingebracht sind. Der dunkle Boden ist wie die Erde, die sicher trägt und auf der man fest stehen kann. Das große, runde Deckenlicht direkt über der Lafette lässt sich von matt bis grell dimmen und wirkt auf den ersten Blick wie ein offener Lichtschacht, durch den Tageslicht einfällt. Ein Blick zum Himmel, Licht am Ende des Tunnels? Eine Kerze und eine Pflanze stehen auf Holzstelen am Kopfende direkt vor einem weißen, in dicken Wellen fallenden Vorhang - das einzig Weiche in diesem Raum. „Nicht alles ist klar“, so die Interpretation Günthers, „es bleibt eine letzte Ungewissheit, die Hoffnung braucht.“ Auf einem Pult an der gegenüberliegenden Wand finden sich Bibel, Gesangbuch und Koran. Der Seelsorger betont: „Wir haben von uns aus bei der Planung ganz bewusst religiöse Symbole außen vor gelassen. Jeder soll sich mit eigenen Symbolen hier wieder finden können ungeachtet seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession oder Religion.“
„Manche Angehörige möchten alleine mit dem Verstorbenen sein, andere wünschen sich Beistand,“ berichtet die Pflegedienstleitung Schaub-Eiffert. Wer möchte, kann einen Pfarrer oder eine Pfarrerin bitten, eine Aussegnung vorzunehmen. Dennoch soll der Raum in keinster Weise in Konkurrenz zu den Gepflogenheiten auf den Dörfern stehen.
Mancherorts wird eine Aufbahrung zu Hause oder in der Trauerhalle gewünscht. Anderswo findet gar keine Aufbahrung statt. „Hier im Krankenhaus hatten wir jedoch immer wieder die Situation, dass ein Mensch verstorben ist und kein Raum für einen würdevollen Abschied zur Verfügung stand“, erinnert sich Dr. Norbert Sehn, Ärztlicher Direktor im Eichhof. Ein Platz auf der Intensivstation etwa wird schnell wieder benötigt. Da sei einfach keine angemessene Atmosphäre des Abschieds möglich, erläutert der Anästhesist und Palliativmediziner weiter. Deshalb habe die Klinikleitung bei der Planung des Neubaus von Anfang an einen solchen Raum integriert. Dr. Sehn resümiert: „Wir sind sehr zufrieden mit der Gestaltung des Raumes. Nun muss das Angebot noch bekannter werden.“
