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Hilfe am Weg von der Sucht ins selbstbestimmte Leben
Die Sicherheit, dass Beistand da ist - Betreutes Wohnen Sucht wurde vor zehn Jahren gegründet.

Suchtabhängige Menschen sollen in ihrem eigenen Lebensumfeld ein selbstbestimmtes und abstinentes Leben führen können. Darin werden sie von den sieben Mitarbeitern der Einrichtung „Betreutes Wohnen Sucht“ unterstützt. Diese Institution wurde vor genau zehn Jahren gegründet.
„Unser Hauptziel ist es, gemeinsam mit den Menschen, die suchtabhängig waren oder sind, eine feste Tagesstruktur zu entwickeln, ihre Selbstständigkeit zu stärken und sie in ihr Lebensumfeld im Dorf oder in der Stadt einzubinden. Das stärkt ihre Lebensqualität und erleichtert die Abstinenz“, sagt Sozialarbeiterin Sybille Heller, seit eineinhalb Jahren Leiterin der Einrichtung.
Die sieben Mitarbeiter kümmern sich im gesamten Kreis um 32 suchtmittelabhängige Menschen. Die Betreuung in deren Wohnung reicht von einer Stunde alle zwei Wochen bis zu täglich ein bis zwei Stunden. Voraussetzung für die Aufnahme in das Betreute Wohnen Sucht ist der Wunsch nach einem abstinenten Leben. „Die Betreuten können in der Regel für sich allein kochen und waschen. Sie brauchen aber die Sicherheit, dass jemand für sie da ist, wenn Ängste oder der Suchtdruck übermächtig werden“, sagt Heller. Deshalb sind Mitarbeiter rund um die Uhr in Rufbereitschaft.
Auch die betreuten Menschen unterscheiden sich. Sie sind von 18 bis 65 Jahre alt. „Wir haben junge Schulabbrecher und Menschen vor dem Eintritt in das Rentenalter, Menschen, die nach 20 Jahren Ehe allein sind und in die Sucht geflüchtet sind, oder auch Menschen, die eine stationäre Entziehung hinter sich haben“, berichtet Harald Rückert. Der Sozialpädagoge und Suchtherapeut ist seit der Gründung des Betreuten Wohnens Sucht dabei.
Die konkrete Hilfe in der abstinenten Lebensführung besteht unter anderem im Beistand bei der Bewältigung von Krisen, der Unterstützung im Umgang mit Ämtern und Behörden, der Hilfe bei der Aufnahme und Gestaltung sozialer Beziehungen sowie der Motivation zu Freizeitaktivitäten. Zwei der 32 betreuten Menschen bekommen zusätzlich Wohnheimleistungen, also eine hauswirtschaftliche Unterstützung, um ihnen das Leben im eigenen Haushalt zu ermöglichen.
Auch Sozialpädagoge Matthias Mäthrich ist seit zehn Jahren Mitarbeiter des Betreuten Wohnens Sucht. Die Sozialpädagoginnen Susanne Reinhold, Sabrina Pecher und Christine Müller-Wolff sowie der Fachkrankenpfleger Uwe Theiß sind im Laufe der vergangenen zehn Jahre dazu gekommen.
Während der zehn Jahre wurden 114 Menschen betreut - nicht gerechnet die unmittelbaren Familienangehörigen, die ja auch von der Hilfe profitieren. Der Anteil der Frauen unter den Betreuten liegt bei rund einem Drittel, fünf der aktuell 32 Klienten sind unter 30 Jahre alt. Der Kreis der Unterstützten ändert sich ständig: Seit Jahresbeginn sind 17 neue Betreute hinzugekommen, dafür haben sich 15 abgemeldet. Bislang lag die maximale Betreuungszeit bei vier Jahren.
Getragen wird die Einrichtung gemeinsam von den Vogelsberger Lebensräumen, die zur Stiftung Heilanstalt für Kranke in Lauterbach gehören, und der Jugend- und Drogenberatung - Suchthilfe im Vogelsbergkreis, die eine Einrichtung des Evangelisch-Kirchlichen Zweckverbandes in Alsfeld ist. „Die Vogelsberger Lebensräume besaßen die Expertise im Betreuten Wohnen für seelisch behinderte Menschen die Jugend- und Drogenberatung im Umgang mit Suchtabhängigen. Die gemeinsame Trägerschaft hat sich bewährt“, sagt Rückert. Über die eigenen Institutsgrenzen haben sich die beiden Einrichtungen verpflichtet, mit den anderen Trägern psychiatrischer Einrichtungen eng zusammenzuarbeiten.
Die Zusammenarbeit ist auch deshalb wichtig, weil immer mehr der betreuten Menschen zugleich psychisch krank oder mehrfach beeinträchtigt sind. Finanziert wird die Arbeit vom Landeswohlfahrtsverband.
