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Das beste Medikament ist der Mensch



Bessere Fürsorge in letzten Wochen des Lebens - Diakoniestation Lauterbach bildet alle Mitarbeiterinnen weiter.

Diakoniestation-Leiterin Hanne Steuernagel  (links) und Palliativpflege-Kursleiterin Manuela Straub wollen, dass die Mitarbeiterinnen der Diakoniestation mehr Sicherheit im Umgang mit Schwerkranken gewinnen.
Diakoniestation-Leiterin Hanne Steuernagel (links) und Palliativpflege-Kursleiterin Manuela Straub wollen, dass die Mitarbeiterinnen der Diakoniestation mehr Sicherheit im Umgang mit Schwerkranken gewinnen.
Menschliche Zuwendung und einfach einmal nur das Halten einer Hand gehören zur einer umfassenden Palliativversorgung.
Menschliche Zuwendung und einfach einmal nur das Halten einer Hand gehören zur einer umfassenden Palliativversorgung.

Um schwerkranken Menschen in ihren letzten Wochen und Monaten das Leben noch mehr zu erleichtern, schult die Diakoniestation Lauterbach alle 80 Mitarbeiterinnen in der Palliativversorgung. "Schon mit einfachen Mitteln kann man wirksam helfen", sagt Palliativpflege-Kursleiterin Manuela Straub.

Die weitaus meisten Menschen möchten nicht im Krankenhaus, sondern zuhause in ihrem gewohnten Umfeld sterben. Häufig geht dieser Wunsch einher mit der Angst, ob und was hier leistbar ist bzw., was eben wirklich Sicherheit geben kann. Gerade Atemnot ist aber oft Anlass für die Angehörigen, einen Arzt zu rufen oder den alten Menschen ins Krankenhaus bringen zu lassen. Dabei gibt es Möglichkeiten, dass Pflegekräfte und Angehörige die Senioren nachhaltig unterstützen können. "Voraussetzung für ein Verbleiben zuhause bis zum Schluss ist eine kompetente pflegerische und psychosoziale Versorgung, die sich immer an den Bedürfnissen des Patienten orientiert. Zum Gelingen trägt auch die verlässliche und direkte Zusammenarbeit mit den betreuenden Ärzten bei. Dazu wollen wir beitragen - durch die Schulungen jetzt noch besser", sagt Diakoniestation-Leiterin Hanne Steuernagel.

Damit die Pflegekräfte der Diakoniestation noch einfühlsamer und kompetenter mit den Bedürfnissen der Menschen in deren letzten Wochen umgehen können, begann die achtstündige Schulung durch Manuela Straub damit, dass die Kursteilnehmerinnen lernten, sich in die Lage eines Menschen mit Atemnot zu versetzen. "Wenn ich weiß, wie es einem Menschen mit Atemnot geht, gehe ich sensibler mit der Situation um", ist Hanne Steuernagel überzeugt.

"Das beste Medikament ist der Mensch", betont Manuela Straub. Eine Pflegekraft, die sich ihrer Kompetenz sicher sei, strahle eine Ruhe aus, die sich oft auf die Angehörigen und den betroffenen Menschen übertrage. Die Beteiligten über die zu erwartende Entwicklung zu informieren, sei ebenfalls von Bedeutung. Es ist wichtig, Fragen und auch Ängsten Raum zu geben, um dadurch Kriseninterventionen zu vermeiden. Es helfe dem betroffenen Menschen und entlastet seinen Angehörigen, wenn sie darum wüssten, dass etwa Atembeschwerden zu erwarten seien und wie sie mit einer individuellen Begleitung und kompetenter Anleitung in dieser Situation umgehen können. Ebenso erleichtere es das Verhältnis zwischen dem betroffenen Menschen und seinen Angehörigen, wenn diese wüssten, dass die Austrocknung zwar eine Gefahr darstelle, dass es aber einem alten Menschen manchmal auch schade, wenn er zu viel Flüssigkeit zu sich nehme. Die jeweilige Lebenssituation und der Wunsch des Patienten ist Maßstab.

Oft helfen einfache Mittel, berichtete Straub. In der Mundpflege könne man statt der Zahnbürste etwa auch einmal Brausepulver, Bier oder Tee einsetzen - je nachdem, womit der alte Mensch angenehme Erfahrungen verbinde. "Das hat etwas leichtes und genussvolles; es hilft dem Betroffenen, tatsächlich seinen Mund anzufeuchten und etwas zu säubern", sagt Straub. Gerade hier können Angehörige kreativ und aktiv werden und zugleich etwas sinnvolles tun - in einer Lebensphase in der weniger manchmal mehr ist.

In die Schulungen, die auch Aspekte der Schmerztherapie, Kommunikation, Trauer und Abschied beinhalten, ist die Sensibilisierung und Achtsamkeit im Umgang mit schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen wesentliches Ziel. Den Blick dafür weiter zu entwickeln, Handlungsmöglichkeiten der palliativen Betreuung zu integrieren und damit Lebensqualität zu ermöglich. Dies allen Menschen zugänglich zu machen, ist unser Ziel. Die Diakoniestation ist in Lauterbach, Schlitz, Wartenberg und Schwalmtal tätig. Träger ist die Stiftung Heilanstalt für Kranke, zu der auch das Medizinische Zentrum Eichhof gehört.

Medizinisches Zentrum Eichhof

29.06.2010