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Bürgernaher Mediziner hatte viele Fragen zu beantworten
Kardiologe Dr. Jürgen Wilhelm war gestern Nachmittag am LA-Telefon erreichbar
Schon kurz vor der angegebenen Zeit klingelte gestern Nachmittag das Redaktionstelefon. Und eine Stunde lang stand es nicht mehr still. Viele Leserinnen und Leser des Lauterbacher Anzeigers hatten Fragen zum Thema Herzrhythmusstörungen und darüber hinaus, die sie Chefarzt Dr. Jürgen Wilhelm, dem Kardiologen des Lauterbacher Eichhof-Krankenhauses, im Rahmen der LA-Telefonaktion stellen wollten. Aus dem ganzen Verbreitungsgebiet unserer Zeitung riefen Betroffene an. Für große Überraschung sorgte beim Herzspezialisten der Anruf eines Mannes aus dem nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis, der übers Internet von der telefonischen Fragestunde erfahren hatte und über Probleme mit seinem Herzschrittmacher und eine spezielle Medikamenteneinnahme sprechen wollte.
Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens mit Herzrhythmusstörungen zu tun. Viele reagieren mit großen Ängsten auf die Unregelmäßigkeiten ihres Herzschlags und wissen zunächst nicht, wie sie sich verhalten sollen. Die Deutsche Herzstiftung hatte in diesem Jahr die bundesweiten Herzwochen unter das Thema "Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen" gestellt, deren Ziel es war, über das Krankheitsbild zu informieren, um diesbezüglich Ängste abzubauen und konkrete Hilfe zu geben.
Vielfältig waren die Fragen, die Dr. Jürgen Wilhelm zu beantworten hatte. Eine Stunde hörte er den Anrufern hoch konzentriert zu, ließ sich deren Probleme schildern, gab kompetent und bürgernah Rat, empfahl den Besuch beim Hausarzt oder schlug in bestimmten Fällen einen Besuch in seiner Sprechstunde im Krankenhaus vor. Auch schwer verständliche Sachverhalte erklärte er für Nicht-Mediziner gut nachvollziehbar. Einige der Ratsuchenden waren bereits Patienten in seiner kardiologischen Praxis. Die Beschwerden reichten von Herzrasen, das eine noch junge Frau regelmäßig an der Arbeit hat, über verschiedene Formen des Vorhofflimmerns, das Anrufer regelmäßig verspüren, bis hin zu Problemen mit Herzschrittmachern. Gezielte Fragen gab es zu speziellen Herzmedikamenten oder auch zu den Gefahren von Fernreisen mit akuten Herzproblemen.
Dass Herzflimmern durch die harmlosere Form des Vorhofflimmerns begründet sein kann, erklärte Wilhelm. Dieses könne gut behandelt werden. Wirklich schlimm sei das Kammerflimmern, das zum Herz-Kreislauf-Stillstand führe. Ob ein Vorhofflimmern vorliege, sei nur per EKG feststellbar. Liege diese Erkrankung vor, zögen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen, wodurch sich Blutgerinnsel bilden könnten, die zum Schlaganfall führten. Vorhofflimmern, das bei der Hälfte der Patienten ohne Beschwerden auftrete, bleibe oft unbemerkt. Unbehandelt seien diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgeliefert.
Die meisten Herzrhythmusstörungen seien Folge von Bluthochdruck oder einer koronaren Herzkrankheit. Seit Frühjahr dieses Jahres sei mit Multaq ein neues Medikament auf dem europäischen Markt zugelassen, das gut verträglich sei. Vom vielen Reden ein wenig erschöpft, aber sehr zufrieden zeigte sich der Kardiologe nach der LA-Telefonaktion, die er gerne im nächsten Jahr wiederholen möchte.
